Kunsttherapie / Poesietherapie


Manche Erlebnisse und Gefühle kann oder will man mit Worten nicht umschreiben. Die Kunst- oder Mal- und Gestaltungstherapie ermöglicht es der Seele, Gefühle und Erlebtes auf einer non-verbalen Ebene zum Ausdruck zu bringen. In der Einzeltherapie werden die Bilder oder Ton- und Steinobjekte mit dem Therapeuten besprochen, in der Gruppe allerdings nur, wenn man das möchte. 

 

Der Name „Kunsttherapie“ erzeugt oft Leistungsdruck, da die PatientInnen denken, sie müssten etwas Künstlerisches leisten. Dem ist jedoch nicht so. Viel mehr geht es darum, innere Bilder zum Ausdruck zu bringen, diese aus der Meta-Ebene zu betrachten und - insofern nötig - Veränderungsmaßnahmen einzuleiten.

 

Durch das Arbeiten mit Farben, Ton und Stein wird auch die sinnliche Wahrnehmung angeregt. Wer wieder lernt, mit allen Sinnen wahrzunehmen, kann seine Lebendigkeit neu entdecken. 

 

Schon Freud und Jung haben mit ihren Patienten auch mit Bildern gearbeitet, um das Unterbewusstsein in die Therapie miteinzubeziehen. Im besten Fall kann es durch die Kunsttherapie gelingen, ein inneres negatives Bild durch ein positives zu ersetzen. 

 

Folgende Methoden werden angeboten: 

  •  Begleitetes Malen – Gemeinsames Malen mit der Therapeutin
  • Dialogisches Malen – Malen als Gespräch zwischen zwei Patientinnen oder zwischen Patient und Therapeut
  • Collagen - eignen sich hervorragend, um sich über die eigenen Ziele und Wünsche klar zu werden. 
  • Kleckerbilder – mit Farben herumkleckern, das Bild zusammenklappen und der eigenen Phantasie freien Lauf lassen.... freies Assoziieren zu den Tieren und Figuren, die man entdeckt.... diese Methode kann auch helfen, den eigenen Perfektionismus zu reduzieren. 
  • Körperbildarbeit - eine hilfreiche Methode für alle, die mit ihrem Körper auf Kriegsfuß stehen: 

o  die eigenen Hände abmalen und gestalten: was soll aus meinem Leben gehen, was soll in mein Leben kommen?

o  die eigenen Füße abmalen und den weiteren Weg auf dem Papier gestalten 

o  den ganzen Körper auf einem großen Papier umranden lassen und die eigenen Gefühle gestalterisch auf das Papier bringen. Wo sitzt meine Wut, meine Traurigkeit? Welche Farben haben sie? Wo in meinem Körper ist die Lebensfreude zu Hause? Wo spüre ich im Körper Angst? Anhand dieser Methode kann man den Zugang zum eigenen Körper und den ihm innewohnenden Gefühlen wiederfinden.

  • Arbeiten mit Ton und Plastilin – hier kann man z.B. sein inneres Haus bauen. Ist die Tür immer offen? Kann jeder jederzeit eintreten? Oder habe ich die Tür verriegelt und lasse aus bestimmten Gründen das Leben nicht herein? All diese Themen und mehr können gemeinsam mit der Therapeutin erarbeitet werden.
  • Arbeit mit Speckstein  - schleifen und feilen... aus dem Stein etwas herausarbeiten... den feinen Specksteinstaub wahrnehmen und die glatte Oberfläche fühlen... plötzlich erscheint eine Figur oder ein Symbol, das für den Arbeitenden eine Bedeutung hat. Wenn man möchte, kann man dem Kunstwerk auch noch einen Namen geben. Die Bedeutung des Namens ist oft aufschlussreich für den weiteren Verlauf der Genesung des Patienten.

Systemisches Arbeiten in der Kunsttherapie

Anhand von Symbolen können z.B. die eigene Erkrankung und damit verbundene Personen und Erfahrungen auf das Papier gebracht werden. Mit Schere oder Pauspapier können die einzelnen Symbole in verschiedenen neuen Anordnungen ausprobiert werden. Ziel ist es, eine Ordnung zu finden, die Gesundheit ermöglicht. 

 

Poesietherapie

Wer nicht malen möchte, kann sich auch im kreativem Schreiben versuchen. Haikus (japanische Kurzgedichte) eignen sich zum Beispiel gut, um die eigene Stimmung zu erforschen und in ein kurzes Gedicht zu verpacken. 

 

Life Art Process

Hat man eines Tages sämtliche Angst vor der eigenen Kreativität verloren, ist es auch möglich, einen Text in ein Bild umsetzen oder ein Bild in ein Gedicht zu verwandeln. 

Ein derart kreativer Prozess (auch Tanz und Bewegung können mit einbezogen werden) kann zu überraschenden Erkenntnissen über das eigene Leben, die eigene Person führen. 

 

Picasso hat es auf den Punkt gebracht: 

"Die Malerei ist kein ästhetisches Unterfangen. Sie ist ein Weg, in dem wir unseren Schrecken wie auch unseren Sehnsüchten Gestalt geben."